So? Oder anders?

Die Wahlen in S-H sind gelaufen. Peinlich, ärgerlich, unverzeihlich: die Wahlbeteiligung von nur 60%.

So, wie es aussieht, wird es eine andere Regierung geben. Und die hat genau eine Aufgabe: Schuldenbremse. Ich versuche, mir vorzustellen, wie ein Ministerpräsident unter diesem Vorzeichen über die Hochschulen des Landes nachdenkt.

Es gibt aus meiner Sicht vier Sparmodelle:

  1. Die Uni Lübeck wird abgeschafft.
  2. An der Uni Kiel werden einige Fakultäten abgeschafft.
  3. Es werden Studiengebühren eingeführt.
  4. Die Professorenschaft wird aufgeteilt in Forschungs- und Lehrprofessoren, den Lehrprofessoren wird eine große Lehrverpflichtung aufgehängt, und damit wird die Anzahl der Professorenstellen reduziert.

Ich bin nicht im Stande, die Einsparpotenziale zu beziffern. Dennoch: Alle vier Modelle werden von unterschiedlichen Protagonisten vertreten.

  1. An der Abschaffung der Uni Lübeck hat sich Hr. de Jager die Finger verbrannt. Bei der gestrigen Wahl haben die Lübecker aus ihrer Sicht nur die Wahl zwischen Pest und Cholera gehabt: Hn. de Jager hat man seinen hochschulpolitischen Vorstoß nicht verziehen, und daß man als Lübecker nun quasi aus Protest ausgerechnet den Kieler Oberbürgermeister wählen sollte, das ist bestimmt nicht zu vermitteln gewesen. Lösung 1: Da wird nix draus.
  2. Aus der Sicht “starker” Fakultäten sind “schwache” Fakultäten nur Ballast, die man unter Sparzwang leicht opfern kann. Weg damit. Sehr gelegen kommt solchen Bestrebungen der Ansatz unseres Präsidiums, die Hochschule in einzelne Bereiche einzuteilen und diese als “Forschungsschwerpunkte” einerseits und “Förderschwerpunkte” andererseits zu klassifizieren. Zu den ersteren gehören die Meereswissenschaften und die Lebenswissenschaften, zu den letzteren  “Gesellschaft, Kultur, Umwelt im Wandel” und “Nanowissenschaften/Oberflächenforschung”. Die Fisch liegt filetiert auf dem Tisch. Lösung 2: So kann’s gehen. Auch wenn unser Präsidium nach wie vor von der “Volluniversität” und der “Universität verbundener Wissenschaftskulturen” spricht und alle Fakultäten in vollem Umfang erhalten möchte.
  3. Die Einführung von Studiengebühren macht viel Ärger. Ob man sich diesen Ärger einhandeln will? Ich denke, vor der Einführung dieser Lösung wird man genau darüber nachdenken müssen, ob man sich der Konkurrenz anderer Hochschulen gewachsen fühlt. Denn für die Kieler Uni gibt es ein Argument, das bei Studierendenbefragungen ganz weit vorne liegt: Kiel kostet nix. Dieses Argument aufzugeben ist also teuer, was die Anfängerzahlen betrifft. Lösung 3: Vielleicht später.
  4. Diesen Vorschlag hat Hr. de Jager in einem Gespräch am Rande einer Veranstaltung gemacht. Ist nicht sehr beliebt bei den Professoren: Damit würde man die Humboldtsche Idee zu Grabe tragen. Und dafür ist diese Idee eigentlich noch viel zu lebendig. Dennoch. Lösung 4: Ist denkbar, muß aber geschickt eingefädelt werden.

Wenn es nun eine Regierung SPD-Grüne-SSW gibt, dann wird das eine Regierung, in der der SSW mit der ständigen Androhung von Untreue einen überproportionalen Einfluß einfordern wird. Ich stelle mir den hochschulpolitischen Salto von Hn. Albig wie folgt vor: Nachdem der Uni Kiel ja vor allem an ihren Forschungs- und Förderschwerpunkten gelegen ist, kann man ruhig die gesamte Lehrerbildung nach Flensburg verlegen. Das gefällt dem SSW, und die Kieler sind ihren Ballast los. Für den hat man ja an der CAU auch nicht wirklich ein erkennbares Konzept. Den Flensburgern sagt man: Für die Lehrerbildung braucht man keine Forschung, also kann man die Lehrverpflichtung der dortigen Professoren verdoppeln. Am Ende des Tages hat die Uni Kiel nur noch 10.000 Studierende, die Flensburger können ihre Zahlen verbessern, aber nicht in dem Umfang, wie die Zahlen in Kiel zurückgehen. Viele gehen lieber nach Hamburg als nach Flensburg. Da ist das Geld. Hr. Albig hat gespart.

Und die Informatik in Kiel? Der Weg zum “Förderschwerpunkt” oder “Forschungsschwerpunkt” ist dornig. Nicht weiter hilft da die Debatte, ob es www.informatik.uni-kiel.de oder www.cs.uni-kiel.de heißen soll. Und ein paar andere Dinge helfen auch nicht weiter. Aber davon schweige ich. So!

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