Ich bin kritisiert worden …

… von der Akkreditierungskommission bei der letzten Akkreditierung unserer Studiengänge: “So geht das nicht, Herr Luttenberger.” Reinhard Koch hat das gleiche gesagt. Mit dem Kritisiert-Werden ist es wie mit der Außentemperatur: Gefühlt ist es schlimmer als in Wirklichkeit. Ich fühle mich von der ganzen Welt kritisiert.

Dabei habe ich doch nur im Modulhandbuch für den Kurs “Academic Writing” die Vorraussetzungen für die erfolgreiche Teilnahme etwas unscharf angegeben: “Keine. Naja, so stimmt das auch nicht …”

Als ob das die einzige unscharfe Formulierung in dieser Akkreditierungsbibel wäre! Meine Güte! Warum werde ich gleich immer so hart kritisiert? Also wirklich …

Also … wäre es besser gewesen, wenn ich geschrieben hätte: “Erfolgreiche Teilnahme an den Modulen Betriebssysteme und Kommunikationssysteme”? Möglicherweise wäre es den Akkreditierern gar nicht aufgefallen, daß das sachlich – sagen wir – problematisch ist. Immerhin wäre es ja formal in Ordnung gewesen: Zwei Module bilden die Vorraussetzung für einen dritten. So kann es sein, so soll es sein. Vielleicht hätte sich aber auch eine Akkreditiererin ein ernsthaftes Fragezeichen in die Stirn gerunzelt. Aber dann “Was soll’s?!” oder “Der Luttenberger hat sich bestimmt was dabei gedacht!” gedacht. Und dann nach dickeren Hunden gesucht. Ich wäre jedenfalls bestimmt nicht kritisiert worden.

Als ich mir überlegt habe, was ich zum Punkt “Voraussetzungen” schreiben soll, habe ich mir überlegt, “Keine.” zu schreiben. Naja, habe ich mir gedacht, so stimmt das auch nicht. “Keine.” hätte nicht meinem tief-inneren Bedürfnis entsprochen, die Veranstaltung “Academic Writing” im Verbund mit anderen ernsthaften Veranstaltungen zu sehen, sozusagen mit “Algorithmen und Datenstrukturen” in einer Frontlinie. Und die haben ja alle ihre höchstwichtigen Voraussetzungen. Es ist schon schmerzlich genug, daß die Anzahl der zu vergebenden ECTS-Punkte bei “Academic Writing” geringer ist als bei “Algorithmen und Datenstrukturen”.

“Academic Writing” ist keine Studenten-Bespaßung!

Mich hat es dann in den Fingern gejuckt, “Deutsch-LK mit mindestens 13 Punkten absolviert.” zu schreiben. Klar, was dann passieren würde: Wenn man mich nicht zum Augenzudrücken würde erweichen können (Das ist LK-Grammatik, meine Damen und Herren!), dann könnten nur Studierende teilnehmen, die nicht teilzunehmen brauchen, weil sie offensichtlich Naturtalente sind. Also, mit dieser Art Voraussetzung stimmt’s also auch nicht … Ich mußte an eine Kollegin von einer anderen Hochschule denken, die mir gesagt hat, daß sie in ihren Kursen nur Studentinnen (sic!) hat, die ihre Deutsch-LKs mit 13 oder mehr Punkten abgeschlossen haben. Nur leider … wollen die alle Pressesprecherinnen werden. Formulieren wir es so: Schwach gebildete Funktionsträger werden sich brillante Zungen leihen können. Mammamia, was für ein Albtraum! Aber das nur nebenbei.

“Academic Writing” ist für alle da! Nicht nur für die, die schon akademisch schreiben können.

Was bleibt? Bevor ich ein Webformular ausfülle, schreibe ich meine Antwort auf die gestellten Fragen offline in einer txt-Datei auf. (Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, daß ich langsam bin beim Ausfüllen von Fragebögen, und daß ich es noch gewöhnt bin, während meiner Online-Zeit das Klicken eines Münzzählers zu hören.) Ich habe in meiner ersten txt-Version des Modulhandbucheintrags für “Academic Writing” nachgeschaut, was dort unter “Voraussetzungen” steht: “Problembewußtsein”. Och nö! Was hätte denn da – bitteschön – der Akkreditierer gesagt?: “Kann man datt messen? Gipt datta ECTS-Punkte füa?” Auweia, …

Und mal ehrlich: “Problembewußtsein” klingt doch außerdem genauso wie “Grüner Schimmel auf dem Joghurt, iiiiihhhhhhh!”

Ich sag’s jetzt mal ganz ehrlich und ganz geheim, was die Voraussetzungen sind: Spaß an treffender Sprache, Spaß an zündenden Illustrationen, Spaß an ansprechender Typographie, Spaß an Ästhetik im eigenen Studienfach. Sagen Sie’s bitte nicht weiter – sonst kommt wieder: “So geht das nicht, Herr Luttenberger.” Und zweimal für die gleiche Sache kritisiert werden, das will ich nun wirklich nicht …

Comments
2 Responses to “Ich bin kritisiert worden …”
  1. jan says:

    Ich finde es interessant, einmal etwas anderes als die üblichen Arbeitsgruppenseiten zu finden. Insbesondere der Blog entspricht eindeutig mehr der aktuellen Internetkultur, ich bin gespannt, wie es sich entwickeln wird.

  2. Rian says:

    Als Informatiker, der den Deutsch-LK mit 13 Punkten bestanden hat, lese ich diesen Blogeintrag mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auf jeden Fall unterhaltsam!