Über ScenePoint und Web-Anwendungen


ScenePoint Editor
Seit zwei Monaten arbeite ich jetzt im Rahmen meiner Bachelorarbeit am Projekt ScenePoint in der Arbeitsgruppe Kommunikationssysteme. Erste Gedanken zu diesem Thema hat Prof. Luttenberger in einem früheren Blog Post formuliert. Langsam wendet sich der praktische Teil meiner Arbeit dem Ende entgegen und zu diesem Anlass werde ich meine Erfahrungen einmal Revue passieren lassen.
Was war ScenePoint also noch mal? Zunächst einmal eine Anwendung zum Erstellen und Abspielen von Präsentationen. In mindestens zwei wichtigen Punkten unterscheidet sich ScenePoint aber grundlegend von konventionellen Alternativen wie PowerPoint, OpenOffice Impress oder Beamer-Latex:

  1. 3-dimensionale Umgebung: Anstatt durch eine Folge von Folien zu blättern, unternimmt der Betrachter eine vordefinierte Reise durch einen frei gestaltbaren Raum.
  2. Webanwendung: Die Anwendung läuft nicht als Desktop-Programm, sondern wird in einem Browser ausgeführt und ist als Webseite erreichbar.
Die Konzepte

Das Erstellen von Präsentationen in ScenePoint ähnelt in vielerlei Hinsicht eher bekannten 3D-Modellern (wie z.B. Blender) als Präsentationsprogrammen wie PowerPoint. Viele bewährte Komponenten von dort haben auch die Gestaltung des Editors von ScenePoint beeinflusst. Umfangreiche Bedienelemente ermöglichen inzwischen intuitives Bewegen, Rotieren und Skalieren von Objekten via Drag-and-Drop. Zu den wichtigsten Objekten, mit denen die Szene gestaltet wird, gehören geometrische Körper, Text und Bilder, die sich alle frei im Raum positionieren lassen.

Wichtig bei einem Präsentationsprogramm ist, dass es auch von unerfahrenen Nutzern einfach bedient werden kann. Die Zielgruppe ist schließlich sehr breit und besteht nicht nur aus Computer-Experten. Aus diesem Grund war bei vielen Designentscheidungen die Bedienbarkeit das wichtigste Anliegen. Ein anschauliches Beispiel dafür ist die Animation in der Präsentation. Sie stützt sich auf einen einzigen “roten Faden”, an dem die Kamera beim Abspielen entlang fährt (siehe Abb.1). So bleibt die Szene noch überschaubar, obwohl eine vierte Dimension, also die Zeit, eingeführt wurde. Im Abspiel-Modus wird die Präsentation dann mittels vor und zurück gesteuert und pausiert bei ausgewählten Punkten.

Die Webanwendung

ScenePoint Editor Was unterscheidet so eine “Web-App” von einer herkömmlichen Desktop-Anwendung? Für den Anwender ist das, was die Webanwendung verrät, wahrscheinlich einzig und allein die Address-Leiste. Die Tatsache, dass ScenePoint eine Webseite ist, muss auch nicht bedeuten, dass alle Dynamik über den Webserver geht. ScenePoint läuft nämlich fast ausschließlich Client-seitig und nur das anfängliche Laden der Seite und einige Cloud Features benötigen eine Verbindung zum Server. Mit dem Offline Application Caching lässt sich die Anwendung auch ganz und gar offline ausführen. Präsentationen können sowohl in der Cloud als auch auf der lokalen Platte gespeichert werden bzw. von dort geladen werden.

Bei der Entwicklung wurde Wert darauf gelegt, auf (proprietäre) Browser-Plugins wie Flash zu verzichten. Die Kern-Technologien, auf denen ScenePoint aufgebaut ist, sind somit JavaScript, HTML und CSS. Für die aufwändige 3D-Darstellung wird WebGL verwendet. WebGL ist ein neuer Standard, um 3D-Technologie dem Browser zur Verfügung zu stellen. ScenePoint läuft deshalb auf den meisten modernen Browsern (und Betriebssystemen) ohne zusätzliche Maßnahmen.

Im Allgemeinen gibt es zwar für Webanwendungen gegenüber  Desktop-Programmen mehr Einschränkungen, die vor allem für die Sicherheit im Netz notwendig sind, dennoch zeigen Anwendungen wie ScenePoint, dass die Möglichkeiten der Browser weit über einfache Webseiten hinausgehen. Auch was die Geschwindigkeit von JavaScript angeht, erreichen moderne Browser mittlerweile durch JIT Compiler und Hardware-beschleunigtes WebGL mehr Leistung, als die meisten Anwendungen brauchen.

Warum sollte man also ScenePoint benutzen?

ScenePoint bietet eine erfrischende Abwechslung zu den gewohnten Präsentationen, die leider viel zu oft lieblos und nach einheitlichem Muster daherkommen. Die Mittel, um interessante Vorträge zu gestalten sind in ScenePoint allemal gegeben.

Wer ScenePoint einmal selbst ausprobieren möchte, der kann dies in naher Zukunft auf der Seite der Gruppe ComSys tun. Schließlich ist nicht mehr als ein Aufruf im Browser dazu nötig.

Comments
One Response to “Über ScenePoint und Web-Anwendungen”
  1. Norbert Luttenberger says:

    Eine super-schicke neuartige Anwendung! Vielen Dank für Ihre Kreativität und Ihr großartiges Engagement! Die Arbeit setzt Maßstäbe.
    Wir werden die Entwicklung auf jeden Fall fortsetzen. Dazu gehört u.a. ein professionelles “Roll-out” als Open Source-Software und ein offenes Account Management.