IEEE International Conference on Semantic Computing

Nach erfolgreicher Akzeptanz unseres Papers wurde mir die Möglichkeit gewährt, auf der IEEE International Conference on Semantic Computing 2013 unsere Arbeit zu präsentieren.

Nun läuft der 2. Tag der Konferenz und ich möchste eine erste Bilanz ziehen.

P1030227 (Medium)Die Konferenz findet im Hyatt Hotel in der Satellitenstadt Irvine im Großraum von Los Angeles statt. Es scheint eine relativ kleine Konferenz zu sein. Ich schätze, es sind ca. 80 Teilnehmer mehr oder weniger anwesend. Tatsächlich sind schon einige Sessions gekürzt worden, da einige Vortragende gar nicht erst angereist sind, aus welchen Gründen auch immer. Die Präsentationen sind von einer hohen Bandbreite gekennzeichnet, sowohl bezogen auf die Schwerpunkte der Forschungsgebiete, als auch auf die Qualität der Vorträge. Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass das Buzzword “Semantic Computing” sehr viel Interpretationsspielraum zulässt.

P1030205 (Medium)Mein Vortrag fand in angenehmer Atmosphäre in einem kleinen Raum mit ca. 20 Beteiligten statt. Meiner Einschätzung nach habe ich einen guten Job gemacht. Es kamen keine allzu bohrenden Fragen. Nach dem Vortrag kam sogar die Forschungsleiterin der Interactive Knowledge Capture Research Group der University of Southern Californa auf mich zu und bestätigte, dass das Debugging von Ontologien, insbesondere der Regelsprache SWRL, eine Bereicherung darstellt, und sie sich vorstellen könnte, dieses Verfahren auch im Rahmen ihrer Arbeit einzusetzen. In ihrem anschließenden Vortrag räsonierte sie in einer sehr angenehmen Weise über ein Projekt zur Verbesserung der Nachvollziehbarkeit wissenschaftlicher Veröffentlichungen mit Hilfe semantischer Workflows. Diese ermöglichen sowohl in abstrakter Weise die Modellierung des Weges von einer Idee über deren Umsetzung bis hin zur Produktion von Ergebnissen, als auch die Konkretisierung der verwendeten Verfahren, Algorithmen und verwendeten Tools bis hin zur Integration von Quellcode. In meinen Augen eine sehr gutes Verfahren nicht nur zur Steigerung der Qualität wissenschaftlicher Arbeiten, sondern auch eine Möglichkeit zur Formalisierung und zur Verbesserung der Wiederverwendbarkeit konkreter Forschungsergebnisse.

Neben diesem Vortrag haben auch die Keynotes eine starke Wirkung auf mich gehabt. So hat bspw. ein Googleianer über deren aktuelle Entwicklungen rund um die Semantifizierung ihrer Suche gesprochen. Googles Knowledge Graph sollte ja hinlänglich bekannt sein. Was weniger bekannt ist, ist dessen frei nutzbare, abgespeckte Version Freebase. Auch die Entwicklung hin zur kontextabhängigen Suche in natürlicher Sprache ist ein interessanter Einblick in die Zukunft des Suchens. So können beispielsweise Fragen wie: Q:”Wie heißt das größte Gebäude in der Stadt die niemals schläft?” A: … Q:”Wie groß ist es?” A: … gestellt werden. Wir Zuhörer wurden eindringlich davon überzeugt, wie “awesome” sich doch die Art des Suchens in den nächsten paar Jahren ändern wird. Einen etwas negativen Beigeschmack hinterließ dann jedoch die Antwort auf die Frage, ob Google denn auch etablierte Standards wie bspw. OWL und RDF nutzen und dazu eventuell auch als Contributor auftreten würde. Sinngemäße Antwort war dann, dass Google sich natürlich davon hat inspirieren lassen, sie aber doch lieber ihr eigenens Ding machen und dieses Ding ja auch interne Betriebsgeheimnisse wären. Hmm … ok.

Eine weitere Keynote war von einem Herrn, der lange Jahre für das Department of Defense gearbeitet hat und dort maßgeblich zur Entwicklung der Financial Industry Business Ontology (FIBO) beigetragen hat, die sich in einem Standardisierungprozess bei der OMG befindet. Die Essenz des Talks war, dass man ja durch die Finanzkrise gesehen habe, wie wichtig ein allgemeines Vokabular in der Finanzwelt sei, um genau solche Krisen verhindern zu können. Soweit – so gut. Leider war die Essenz dieser Essenz, dass ein stabiles Finanzsystem ja eben für ein funktionierendes Defense-System unablässlich sei. Was folgte war ein eindringlicher Aufruf, sich bitte daran zu beteiligen, egal ob Amerikaner oder nicht. Wir säßen ja alle im selben Boot. Hm … Völkerverständigung mal anders?!

Negativ aufgefallen ist mir auch die Tatsache, dass doch sehr offensichliche Fehler präsentiert worden sind. So sei eine von einer Vortragenden entwickelte Software beispielsweise in 550 Ländern der Erde verfügbar. Wow, wie groß die Welt doch ist?!

Alles in allem ziehe ich jedoch eine positive Bilanz: Ich habe viele interessante Gespräche mit angenehmen Menschen führen können, sowohl auf fachlicher als auch auf menschlicher Ebene. Ich werde viele Eindrücke von der Konferenz aber auch von Amerika an sich mit nach Hause nehmen. Und auch den einen oder anderen Schokoriegel aus dem Kiosk neben meinem Hotel. Abschließen möchte ich mit diesem Foto eines wundervollen Sonnenuntergangs in Newport Beach und der Aussage, dass sicherlich weniger angenehme Orte auf der Welt existieren, wo man seine Forschungsergebnisse präsentieren kann.

P1030222 (Medium)

 

 

 

Comments
One Response to “IEEE International Conference on Semantic Computing”
  1. Norbert Luttenberger says:

    Lieber Herr Lodemann,
    vielen herzlichen Dank für diesen wundervollen Blogpost! Ich freue mich für Sie, daß diese Konferenz für Sie so bereichernd war. Verblüfft hat mich die Tatsache, daß nur so wenige Wissenschaftler an dieser Konferenz teilgenommen haben. Aber vielleicht liegt das daran, daß das Stichwort Semantic Web immer noch interessanter klingt als das Stichwort Semantic Computing. Vielleicht wird sich das ja in den kommenden Jahren noch ändern.
    Bleibt mir nur noch die Frage, was die Schokoriegel vom Kiosk neben Ihrem Hotel so besonders macht, daß Sie sie nach Deutschland importieren wollen …
    Gruß aus Innsbruck unter Wolken,
    nl