ISWC2012

Herrn Luttenbergers und mein gemeinsamer Besuch der ISWC2012 in Boston ist eine schöne Gelegenheit, mal wieder einen Artikel zu schreiben! Aus meiner Sicht hatten Herr Luttenberger und ich einige wertvolle Gespräche und Diskussionen, so dass sich der Konferenzbesuch schon dadurch gelohnt hat. Ich weiss jetzt auch wieder, was so an der TF geschieht!

Gelernt habe ich übrigens auch, dass man extra schlechte Zimmer bekommt, wenn man sein Zimmer im Konferenzhotel durch die Konferenzwebseite bucht. Vergleiche dazu den Ausblick auf dem Bild hier mit dem nebenstehenden tatsächlichen Ausblick aus meinem Zimmer.

So wie im Blogbeitrag von Herrn Luttenberger beschrieben, habe ich die Konferenz eigentlich auch empfunden. Ich bin einer derjenigen, die eine “mathematisch fundierte Ausformulierung semantischer Zusammenhänge” hinter dem Begriff “semantic web” vermuteten. Insbesondere ist für mich das (automatische) Schlussfolgern in Ontologien oder eben im “semantic web” ein sehr wichtiger, ein essentieller Aspekt – in dieser Hinsicht war die Konferenz ernüchternd, aber lehrreich.

Die Keynotes und Beiträge der Konferenz zeigten, dass für heutige Anwendungen “semantic web” wirklich “nur” Annotation von Daten, vielleicht auch noch deren Verlinkung, bedeutet. Beispiele? Ein Vertreter einer Elektronikmarkt-Kette stellte deren Annotation von Produkten im Online-Shop vor, eine Forscherin aus Italien beschrieb die Verschlagwortung von Fotos durch Nutzer in Form eines Browsergames, IBM Research Dublin stellte Mashups aus OSM-Karten, Verkehrsinformationen und Nutzerdaten vor. Mein Favorit: Ein Forscher aus Japan führte eine Android-App vor, die mittels der vielfältigen Sensordaten eines Smartphones (Temperatur, Helligkeit, Feuchte, vermutlich GPS Daten) nicht nur eine geeignete Zierpflanze aus einer Datenbank hervorsuchte (im Vortrag: Jasmin), sondern diese auch sofort in das aktuelle durch die Smartphone-Kamera aufgenommene Videobild (gewissermaßen als Vorschau) hineinmontierte.

Warum nur bedienen die Nationen so ihre Klischees? Ein Japaner, der ein absurdes Technik-Gadget für Zierpflanzen entwickelt? Bonsai!

Auf der Konferenz konnte man in der Tat auch hier und da interessante “Unterschwingungen” wahrnehmen. In dieser Hinsicht war wirklich der von Herrn Luttenberger in seinem Artikel bereits erwähnte Vortrag zum Thema “schema.org” sehr interessant, auch wenn ich manche Unterschwingungen anders als Herr Luttenberger wahrgenommen habe:

Da haben nun einige Suchmaschinen-Betreiber W3C-standardkonform und eigentlich genau im Sinne des W3C, ein Vokabular (“schema.org”) für eine Beschreibungssprache (“RDFa”) entwickelt – genau wie Tausende vor ihnen. Dass dieses Vokabular mehr Aufmerksamkeit erhält als wenn beispielsweise Hagen Peters sich eines ausdenkt, liegt in der Natur der Sache. Was genau dabei die anwesenden W3C-Vertreter störte, ist mir aus deren Fragen auch nicht klar geworden. Ich denke, sie sind einfach unzufrieden damit, dass das Suchmaschinen-Konsortium quasi ein Standardvokabular definiert hat – und zwar ohne das W3C zu fragen. Vielleicht sind sie auch unglücklich damit, dass eben Google und Yahoo! usw. die Aufmerksamkeit für “schema.org” bekommen, obwohl doch das W3C die zugrunde liegenden Standards entwickelt hat. Möglicherweise finden sie es auch einfach falsch, dass kommerzielle Unternehmen die Standards setzen (bildlich wie auch wörtlich), und nicht eine eher uneigennützige, durch Mitgliederbeiträge und Spenden finanzierte Organisation wie das W3C. Wer weiß? Jedenfalls schienen die Vortragenden und die W3C-Vertreter keine Freunde zu werden.

Ich sehe die Entwicklung von “schema.org” ohnehin eher positiv. Was nützt eine Auszeichnungssprache wie “RDFa”, wenn das Vokabular am Ende doch zu uneinheitlich ist, um es zu nutzen? Zum Beispiel würde ich es hinsichtlich der (Nicht-) Unterstützung von Sprachen genau wie die Entwickler von “schema.org” machen und auch nur Englisch unterstützen. Wir reden ja nur von den Metainformationen, nicht von der für den Nutzer sichtbaren Sprache. Und mehrere Sprachen unterstützen heißt ja vor allem auch, dass man mehrere Sprachen (und Zeichencodes!) verstehen muss, wenn man die Metainformationen nutzen will.

Und, sind der Wunsch nach einem (weltweit!) einheitlichen Vokabular und der Wunsch nach Mehrsprachigkeit nicht per se gegensätzlich?


Der Höhepunkt der Konferenz war für mich, ich glaube wie auch für Herrn Luttenberger, die “Panel Discussion”, bei der verschiedene wichtige Personen auf provokante Thesen provokante Antworten (“Oracle’s databases are obsolete” — Unsinn!) gaben. Ich will hier nicht im Detail widergeben, welche Positionen die einzelnen Redner hatten. Es wurde aber eine Videoaufzeichnung gemacht, die hoffentlich bald im Netz gefunden werden kann.

Im Netz finden sich übrigens noch einige weitere Berichte, Blogs, Tweets, etc. zur ISWC, beispielsweise hier. Dieser Bericht zeigt vor allem zwei Dinge:

  1. Der Autor saß wohl direkt neben Herrn Luttenberger und mir.
  2. Wir alle wollten Tim Berner-Lee fotografieren.

Comments are closed.